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Seidenkrawatten seit 110 Jahren aus Krefeld

Von Yvonne Brandt

alpi feiert Jubiläum mit Herbstmesse. Stoffe werden bis heute in Italien eingekauft und hier vor Ort zu eleganten Bindern.

 

Krefeld. Alle Krawatten bei alpi werden noch heute in Krefeld gefertigt. Darauf legen Birgit Porten und Nicole Waßenberg großen Wert. Die beiden haben ihr Metier von der Pike auf gelernt und sich vor elf Jahren einen Traum erfüllt, als sie die traditionelle Krawattenfirma in eigener Regie übernommen haben. „Während viele vergleichbare Firmen in Deutschland mit ihrer Produktion ins Ausland ausgewichen sind, setzen wir auf Qualität und Nachhaltigkeit“, sagt Birgit Porten. Mit zunehmendem Erfolg.

Stoffe aus Como werden in Krefeld zur Krawatte konfektioniert

Statt kostengünstigere Krawatten aus Bangladesch oder China zu kaufen, suchen die beiden Firmeninhaberinnen Stoffe bei Tuchherstellern im italienischen Como aus. Konfektioniert werden die in Krefeld im Mies-van-der-Rohe-Business-Park, nur einen Steinwurf von alpi an der Weyerhofstraße entfernt. Die passenden Einlagen dazu kommen aus den Niederlanden, die Futterstoffe von Devetex an der Kleinewefersstraße, die Bändchen aus dem Bergischen und der Anhänger als prägnantes Firmenlogo aus der Nähe von Köln.

Zu dem Sortiment von alpi gehören Seidenkrawatten, Herrenschals und Damentücher sowie hochwertige Herrenhemden aus dem Hause Seidensticker. Die Kunden wissen die Produkte zu schätzen – private ebenso wie große Firmen, Vereine und Verbände. „Beim TEW tragen die Mitarbeiter Tücher und Krawatten von alpi und auch zahlreiche Geschenkkrawatten großer Firmen stammen aus Krefeld“, sagt Birgit Porten. Zu ihrem Kundenkreis zählen nicht nur deutsche Krawatten-Liebhaber, auch holländische und schweizer Mode-Firmen kaufen bei alpi ein.

Die Zusammenarbeit mit italienischen Webereien zahlt sich für die beiden Krefelder Krawattiers aus: „Wir sind dadurch manchmal in unseren Kollektionen sehr früh mit neuen Farben oder Mustern auf dem Markt.“ So beispielsweise mit Türkis und Rosé, vor denen die meisten Einkäufer zunächst zurückgeschreckt sind.

In diesem Herbst und Winter sind Brombeertöne und Grau in Kombination mit Kontrastfarben top-modern. Orange ist die Basisfarbe schlechthin. Bei den Mustern sind weiterhin Karos und Streifen angesagt. Kleine Muster und florale Dessins sind en vogue. „Auch die Farbe Blau kommt wieder stark in Mode“, sagt Birgit Porten und gibt WZ-Lesern damit schon einen modischen Tipp fürs Frühjahr.

alpi-Modenschau auf der "Kraftstoff-Bühne" auf der Fashionworld 2013

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Mode

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MännermodeSchlips ist Schicksal

Der krawattenlose Mann ist der Untergang des Abendlandes. Von Josef Joffe

Zum Auftakt der Party-Saison ein Sittengemälde: ein beliebiger Auftrieb zwischen Hamburg und München. Es feiern (sich) die Medien- und PR-Menschen, die »Kreativen«, in einer rollenverschobenen Welt. In der Natur schlägt Herr Pfau die Räder, bläht der Erpel den bunten Hals, zeigt Panthera leo mit mächtiger Mähne, wer König der Savanne ist. Die Weibchen sind dagegen unauffällig und bescheiden. Im Rudel des Homo erectus ist es umgekehrt. Die Weibchen kommen aufgedonnert wie eh und je; die Männchen, auch die alten, tragen drögen Einheitslook: dunkles Jackett, weißes Hemd und keine Krawatte.

Dies ist die tausendfache Beleidigung des Oberhemdes, mit oder ohne Manschetten. Denn dieses braucht den Schlips wie Brunelleschis Duomo zu Florenz die Kette um die Kuppel, die der kühnen Konstruktion seit 560 Jahren Halt verleiht. Der offene Kragen aber schlabbert und knickt; er spürt die Absicht, ist verstimmt und lässt sich gehen. Was, so wendet der Entbundene ein, der Sinn der Sache ist; so zeige er, wie cool und entspannt er sei. Aber die textile Falle schnappt trotzdem zu.

Erstens verrät der Gestus Kleinmut. Wenn schon, dann richtig: ohne Kragen, Jackett und Alden-Schuhe, dafür Treter und T-Shirt. Beim Merkel-Bankett im Juni im Weißen Haus wagte Gottschalk nur die bestickten schwarzen Jeans, oben war’s der artige Smoking. Der Held war halbiert. Zweitens ist das offene Hemd Konformismus im Quadrat. So läuft inzwischen die halbe deutsche Männlichkeit herum; 40 Prozent behaupten sogar, keinen Schlips zu besitzen. Selbst amerikanische Kuhhirten tragen Halstuch.

»Mode«, doziert der Bildungsnahe, »ist immer ein Statement der Gruppenzugehörigkeit.« Aber warum will der Kreative durch den Schlips-Verzicht seine Nähe zu Taliban, iranischen Gottesstaatlern oder lateinamerikanischen Autokraten wie Hugo Chávez signalisieren? Und dann bei Hummer-Häppchen und Heidsieck?

Früher tat es der Mann den Pfauen und Löwen gleich. Er machte sich breiter (Epauletten), größer (Pickelhaube) und schöner (Litzen und Tressen). Heute zeigt er wie ein kleiner Junge den offenen, schlappen Kragen. Will er so an die mütterlichen Instinkte der Frauen appellieren, die sich anschicken, die Weltherrschaft zu erobern – der Jäger, der nicht mehr jagen will? Der 70-Jährige, der Jugend vorspielen will, möge den Kragen lieber schließen, um die Halsfalten zu kaschieren.

Die Krawatte ist kein nutzloses Angebinde. »Eine gut gebundene«, lehrte Oscar Wilde, »ist der erste seriöse Schritt im Leben.« Sie ist das einzige Schmuckstück neben androgynem Kettchen oder fetter Rolex, das ein Mann noch aufbieten kann, nachdem die Husarenjacke ins Museum verbannt worden ist. Der Halsschmuck signalisiert als seidenes Überbleibsel: So waren wir mal, als wir im Löwenfell (Herakles) oder mit wehendem Federbusch (d’Artagnan) unsere Feinde verputzten. Hier maunzt kein Macho, sondern der historisch geschulte Mode-Soziologe. Es ist kein Zufall, dass die Weltmacht-Karriere der Chinesen erst begann, als sie den Mao-Look ab- und die Krawatte umlegten. Schlips ist Schicksal.